Spielende Händchen

Was CANAT genau ist, und in welche Projektgruppen es sich unterteilt, könnt ihr hier lesen.

„Kinder spielen aus dem gleichen Grund wie Wasser fließt und Vögel fliegen“ – Fred O. Donaldson

Manitos Jugando, das Projekt in CANAT in dem ich tätig bin, richtet sich an ein/e Stadtviertel/Nachbarschaft namens „Monica Zapata“, und ist genauer gesagt eine Ludoteca, also eine Spielstätte. Die Kinder werden in vier Altersgruppen geteilt:

  • 0-2 Jahre mit ihren Müttern (dienstags & donnerstags)
  • 3-5 Jahre (dienstags – freitags)
  • 6-9 Jahre („)
  • 10-15 Jahre („)

Obwohl Manitos Jugando übersetzt „spielende Händchen“ heißt, wird nicht einfach nur gespielt. Vielmehr werden Normen und Werte, die bei uns als selbstverständlich erachtet werden, vermittelt. Wir beginnen immer mit einem Circulo (Sitzkreis) und begrüßen uns, um den Nachmittag gemeinsam zu beginnen. Die Spiele sind dann immer an bestimmte Themen geknüpft. So hatten wir schon die Themen Umweltschutz oder Teamwork, wo die Kinder dann beispielsweise aus leeren Klopapierrollen Stiftbehälter gebastelt, oder Teamspiele gespielt haben.

Um gewisse Werte zu vermitteln, wird das Modell des PRPS (Programa de responsabilidad personal y social) – TPSR (Teaching personal and social responsability) – nach Donald Hellison angewendet. Das PRPS beinhaltet 5 Niveles/Level:

  • Nivel 1: Respekt seinen Mitmenschen gegenüber
  • Nivel 2: Teilnahme und Bemühung in allen Aktivitäten
  • Nivel 3: Autonomie
  • Nivel 4: Hilfsbereitschaft und Führung
  • Nivel 5: Transferierung

Obwohl man die Level häufig als Pyramide darstellt, da sie aufeinander aufbauen, heißt es jedoch nicht, dass man mit den Kindern immer von einem auf das nächste Level aufsteigt. So kann es sein, dass die Hilfsbereitschaft gut funktioniert, es jedoch bei der Teilnahme und dem Respektieren der Mitmenschen hapert. Damit alle Kinder diese Werte erlernen, knüpfen wir die Spiele neben den bereits genannten Themen auch an die Level. Einfaches Beispiel: Wir ordneten mit den Kindern alle Stifte, mit denen sie anschließend Mandalas zum Umweltschutz ausmalten. Danach sollten alle Stifte zurück an ihren vorhergesehenen Platz gelegt werden. Damit die Stifte auch dort landen, wo sie landen sollen, wählten wir ein paar Kinder aus, die für den Tag die Verantwortlichen der Stifte sind. So ist das Thema „Umweltschutz“ an die Level der Teilnahme, Autonomie und Hilfsbereitschaft & Führung geknüpft.

Unser Team besteht aktuell aus den vier Formadores Evelyn, Manuel, Khaterine und Lourdes, der Psychologin Andrea, einer psychologiestudierenden Praktikantin namens Lili und uns drei Freiwilligen Benedikt, Christian und mir. In der Ludoteca angemeldet sind 105 Kinder, von denen aber nur um die 85 Kinder regelmäßig erscheinen.

Nun könnte man sich fragen: Ja schön, ein Ort an dem Kinder nach der Schule etwas spielen können und dabei den Umgang mit sich, anderen und der Umwelt lernen, aber wozu eigentlich genau? Können sie das nicht auch bei sich Zuhause?

Es ist so, dass die Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen stammen. Sei es, dass sie mit Gewalt und Drogenmissbrauch aufwachsen, oder sie selber arbeiten müssen anstatt in die Schule zu gehen, um ihre Familie mit zu versorgen. Da die Ludoteca als Förderung alleine bedingt ausreicht, begleitet Andrea die Kinder und Eltern auch im Einzelnen und leistet regelmäßig Familienbesuche ab. Ebenso gehen Essens- und Sachspenden an die Familien. Ich war beispielsweise dabei, als wir Essensspenden an eine Familie überbracht hatten. Ich hatte mich gewundert, warum die Geschwister jedes Mal alleine das Essen entgegennahmen, bis mir erzählt wurde, dass ihr Vater seit mehreren Jahren im Gefängnis ist und ihre Mutter jeden Tag bis in die Nacht arbeitet und sich die Kinder selbst versorgen und teilweise auch auf der Straße arbeiten. Auch gibt es Kinder die schon früh mit Drogen in Kontakt kommen oder mit Gewalt oder sexuellen Missbrauchsfällen in der Familie aufwachsen. (Dies trifft nicht auf jede Familie in Monica Zapata zu). Ich bin hauptsächlich in der Gruppe der 3 bis 5 Jährigen, unterstütze aber auch jeden Donnerstag in der Gruppe der Mütter mit ihren Babys/Kleinkindern. Da habe ich die Möglichkeit mich mit ihnen auszutauschen. Man merkt, dass die Mütter sehr ausgelastet sind. Die meisten arbeiten viel, haben zudem meist mehrere und auch jüngere Kinder, die nochmal mehr Aufmerksamkeit brauchen, und einige leben ohne weitere Familie in Monica Zapata, die sie unterstützen könnte. Genau dafür ist dann CANAT da, dass Spendenhilfe geleistet wird; sowohl im Materiellen, als auch im Immateriellen.

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