La Tortuga

La educación es el vestido de gala para asistir a la fiesta de la vida.“

In diesem Blogeintrag geht es um einen Ort und dessen Bewohner, der/die mir auf eine besondere Art ans Herz gewachsen ist/sind…

…nämlich ein Dorf namens La Tortuga (deutsch: Die Schildkröte)

La Tortuga ist ein Fischerdorf an der Pazifikküste mit – so sagt man – ca. 4 tausend Einwohnern. In diesem Ort lerne ich immer wieder aufs Neue, was es heißt in – aus meiner Sicht – extremen Bedingungen zu leben.

Ich werde euch mal diese Bedingungen, die ich meine, näher erläutern, damit ihr euch ein kleines Bild von La Tortuga machen könnt…

Wasserversorgung:

In dem gesamten Dorf gibt es kein Wasser. Die Menschen sind darauf angewiesen, dass regelmäßig ein LKW mit einem riesigen Wassertank anfährt, damit sie sich ihr Wasser kaufen und ihre hauseigenen Wassertanks auffüllen lassen können. Das Wasser wird genutzt um: zu kochen, zu putzen, sich zu duschen, Wäsche zu waschen,… Es ist schon schwer genug die alltäglichen Dinge ohne Leitung, sprich fließendes Wasser zu erledigen, jedoch komplett ohne Wasser?

Hier seht ihr vor einem Haus ebensolche Wassertanks, die aufgefüllt werden.

Gesundheit:

Um es ganz direkt zu sagen, die hygienischen Bedingungen in La Tortuga sind fatal. Durch fehlende Wasserleitungen gibt es eben auch keine sanitären Anlagen, was bedeutet, dass die Notdurften alle draußen erledigt werden. Hinzukommt, dass das Wasser nicht rein ist – da mein Körper das Wasser nicht gewohnt ist, würde ich sicher krank werden, würde ich es trinken – und das Gesundheitssystem noch sehr ausbaufähig ist. Es gibt viele Bewohner, die keine DNI, sprich keine offizielle Identität, besitzen, wodurch sie auch keine Krankenversicherung haben können. Und von denen die eine DNI besitzen, haben viele finanzielle Probleme, weshalb sie auf den sogenannten SIS – „Seguro Integral de Salud“ / „Comprehensive health insurance“ angewiesen sind.

Das Klo

Kinderarbeit:

Ich habe durch CANAT viel mit Kindern und Jugendlichen zutun, die arbeiten, um ihre Familien mitzuversorgen. In La Tortuga habe ich jedoch ein anderes Extrem kennengelernt. Mädchen, die mit 3 Jahren schon mit ihren Geschwistern die Wäsche der Familie waschen oder mit 8 schon die Mutterrolle übernehmen, indem sie für ihre Familie kochen und ihre kleinen Geschwister hüten; Jungs, die von Geburt an dazu bestimmt sind Fischer zu werden; Eltern, die ihre Kinder zu Fremden schicken, damit sie statt in die Schule zu gehen, von morgens bis abends für wenig Lohn arbeiten, und und und…
(Ich möchte an diesem Punkt nicht alle Familien in einen Hut werfen. Durchaus gibt es Familien, auf die das nicht ganz oder gar nicht zustimmt)

Machismo:

Du nicht. Du bist eine Frau, du darfst nicht fischen“ (Zitat in eigenen Worten)
Eine Aussage, die mich ziemlich getroffen hat, als Benedikt, Christian und ich geäußert hatten, dass wir gerne mal die Fischer bei ihrer Arbeit begleiten würden. Und ja es stimmt, fischen ist reine Männersache in La Tortuga.
Und was ist dann Frauensache? Naja, das könnt ihr euch ja denken…
Die Männer haben auch mehr Autorität innerhalb der Familie; was der Mann sagt gilt. So habe ich in dem medizinischen Versorgungszentrum von La Tortuga schon junge Mütter kennengelernt, die ihre Babys und Kleinkinder nicht impfen lassen durften, weil ihr Mann es nicht erlaubt. Zu meinen Erfahrungen in der Posta de salud (Ambulanz) werde ich jedoch in einem weiteren Blogeintrag berichten.

Familie:

In einem Gespräch mit einer Einwohnerin aus La Tortuga erzählte sie mir, dass es durchaus üblich sei, dass Mädchen bereits ab dem Alter von 12 Jahren heiraten und ab einem jungen Alter bereits Mütter werden. Das hatte mich so schockiert und meine Augen geöffnet, wodurch ich, besonders in der Posta de salud, danach viele Mädchen kennengelernt habe, die bereits mit 13/14 Jahren das erste Mal Mütter werden.
In Deutschland haben die meisten Menschen Karriere im Kopf; sie beenden die Schule – am Besten mit dem Abitur – machen im Anschluss eine Ausbildung oder besuchen eine Universität. Die Familienplanung kommt dann so mit Mitte/Ende 20, vielleicht auch in den 30ern, oder vielleicht auch gar nicht, für die, dessen Karriere ihnen wichtiger ist als eigene Kinder. Diese Mentalität ist in La Tortuga genau umgekehrt. Die Frauen – wiedermal möchte ich nicht alle in einen Hut werfen – identifizieren sich selbst mit der Mutterrolle, nach dem Motto „Was bin ich für eine Frau, wenn ich keine Kinder habe“ und möchten dementsprechend schon früh mit ihrer eigenen Familienplanung beginnen. Ebenso ist es normal viele Kinder zu haben. Wo es in Deutschland bei 3 oder 4 Kindern aufhört, fängt es in La Tortuga gerade erst an. Zu meinen Erfahrungen mit jungen Müttern werde ich jedoch ebenfalls in einem weiteren Blogeintrag berichten.

Und was genau machst du an diesem Ort, wenn sich das Leben als so schwierig gestaltet?

An dieser Stelle präsentiere ich euch die Ludoteca, ein Häuschen, in dem die Kinder einfach mal Kinder sein können.
Diese Ludoteca ist ein Projekt, was mit CANAT nichts zutun hat, jedoch erst durch Gabi, der Direktorin von CANAT, und Apolonia und Anamaria – zwei waschechten Mallorquinerinnen- und dem Fons Mallorqui erst möglich ist.

Apolonia, Anamaria und Gabi (v.l.n.r.)

Das Haus, was ihr auf dem Bild seht, hat 2 Stockwerke, was schon ungewöhnlich für die Häuser vorort ist. Das untere Stockwerk ist den Kindern gewidmet und voll mit Spielzeugen, die alle aus Sach-und Geldspenden zusammenkommen. Das obere Stockwerk gehört Apolonia, Anamaria und Gabi.

Seht ihr das doppelstöckige Haus?

Ein normaler Samstag läuft dann meist so ab, dass wir Freiwilligen mit Gabi in La Tortuga einige Kinder aufsammeln und an einen Teil des Strandes fahren, der etwas weiter weg liegt. Während dann eine Gruppe sich bereit erklärt zu angeln, bereitet die andere Gruppe lecker Ceviche vor oder genießt die Abkühlung im Meer. Das Picknick am Strand ist ein schönes Ritual, bei dem man auf einer neuen Art mit den Kindern beisammen sein kann.

Anschließend fahren wir zurück ins Dorf und öffnen die Ludoteca, wodurch sind nach und nach mehr Kinder anschließen und spielen. Wie ich ja bereits erwähnt hatte arbeiten die Kinder, weshalb es auch vorkam, dass Kinder manchmal nicht an den Strand oder in die Ludoteca kommen können, weil ihre Arbeit sie daran hindert.
Gabi erzählte mir manchmal Geschichten von Kindern, die so viel arbeiten, dass sie verlernen zu lächeln. Das war wohl mit das Traurigste, was ich je gehört habe.

Am Anfang hatte ich ja gesagt, dass mir dieser Ort und diese Menschen auf eine ganz besondere Art ans Herz gewachsen sind. Trotz der Misere in der die Tortugeños durch erschwerte Lebensbedingungen stecken, habe ich jedoch nicht eine undankbare Person kennengelernt. Sie danken Gott für den Fisch, den die Fischer morgens nach Hause bringen und danken uns für die Zeit, in der wir die Kinder von Zuhause oder den Straßen aufschnappen um zu spielen. Das Lachen der Kinder und die pure Freude ist das, was La Tortuga letztendlich für mich ausmacht.

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